Deutscher Windhundzucht- und Rennverband e.V.
gegründet 1892
Podenco Canario
Der Podenco Canario gehört zur
Gruppe der vom DWZRV betreuten windhundähnlichen mediterranen Jagdhunde.
Seine Heimat sind die Kanarischen Inseln, eine zu Spanien gehörende
Inselgruppe, die im Atlantik vor der Nordwestküste Afrikas gelegen ist. Erst
in den letzten Jahren ist eine nennenswerte Anzahl von Exemplaren der Rasse
nach Deutschland gekommen.
Die überwiegende Mehrzahl der Podencos auf den Kanarischen Inseln befindet
sich seit jeher in der Hand von Jägern, die ausschließlich für jagdliche
Zwecke und nach jagdlichen Kriterien züchten. Auf den Inseln beträgt der
Bestand deutlich über 100.000 Exemplare und übertrifft damit die
Bestandszahlen der meisten anderen mediterranen Rassen bei weitem. Die
wenigsten dieser Hunde sind allerdings beim spanischen Hundezuchtverband
RSCE registriert.
Zur Jagd wird der Podenco Canario in Meuten eingesetzt, die bis zu zwölf
Hunde umfassen. Die Landschaft der Kanarischen Inseln ist vulkanischen
Ursprungs und von unzähligen natürlichen Schluchten und Erdspalten
durchzogen, die den Kaninchen reichliche Versteckmöglichkeiten bieten. Durch
seine Geschicklichkeit und sein außerordentliches Sprungvermögen, kombiniert
mit der Trittsicherheit seiner mit sehr beweglichen Zehen ausgestatteten
Pfoten ist der Podenco Canario dem unwegsamen Gelände seiner Heimat perfekt
angepasst.
Sobald die Hunde von der Leine gelassen sind, beginnen sie unermüdlich, die
Umgebung nach Anzeichen von Kaninchen zu durchsuchen. Dabei setzen die Hunde
in erster Linie ihren Geruchssinn, aber auch ihr feines Gehör ein. Haben die
Hunde ein verborgenes Kaninchen lokalisiert, wird ein Frettchen eingesetzt,
das die unterirdische Verfolgung aufnimmt und die Beute an die Oberfläche
treibt, wo sie entweder von den Hunden gefangen oder von den Jägern
geschossen wird. Wenn der Podenco Canario ein Kaninchen fängt, bringt er es
zu seinem Besitzer.
In Größe und Gesamterscheinung ist der Podenco Canario dem Pharaoh Hound (Kelb
tal-Fenek) aus Malta recht ähnlich. Er ist ein elegant gebauter Hund von
ausgesprochenem Windhundtyp, dessen auffälligstes Merkmal seine großen,
beweglichen Stehohren sind. Die Größe des Podenco Canario beträgt maximal 64
cm (Rüden) bzw. 60 cm (Hündinnen). Wie beim Pharaoh Hound sind auch die
Augen des Podenco Canario bernsteinfarben, die Nase rosa, im Ton jeweils der
Fellfarbe angepasst. Bei genauerem Hinsehen fallen jedoch einige
Unterschiede ins Auge: So hat der Podenco Canario einen auffallend langen,
schmalen Kopf mit kaum ausgeprägtem Stop, und seine Ohren sind tiefer
angesetzt – um es plastisch auszudrücken: Beim Pharaoh Hound stehen die
Ohren auf "5 Minuten vor 1", beim Podenco Canario stehen sie auf "10 Minuten
vor 2". Insgesamt ist der Podenco Canario leichter, eleganter und weniger
kompakt gebaut als der Pharaoh Hound, und anders als bei seinem maltesischen
Verwandten sind alle Kombinationen von weiß und rot erlaubt.
Das Wesen des Podenco Canario ist ausgesprochen freundlich; anders als
andere mediterrane Rassen wird er in seinem Herkunftsgebiet nicht als
Wachhund eingesetzt, so dass die meisten der Hunde auf den Kanaren keinerlei
Misstrauen gegenüber Fremden aufweisen.
Da er oft in Meuten mit
wechselnder Zusammensetzung eingesetzt wird, ist auch das Sozialverhalten
des Podenco Canario gegenüber Artgenossen zumeist unproblematisch.
Unter den
Rassevertretern, die von Tierschutzorganisationen nach Deutschland
vermittelt werden, findet man allerdings mitunter recht ängstliche
Exemplare. Dies kann darauf zurückzuführen sein, dass diese Hunde bisher
kaum Kontakte zu Menschen hatten oder dass sie ihrem „Vorleben“ extrem
schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben. Bevor man sich für einen
solchen Hund entscheidet, sollte man sorgfältig überlegen, ob man wirklich
in der Lage ist, auf ihn einzugehen und ihm seine Ängste zu nehmen.
Über die Geschichte des Podenco Canario ist nur wenig bekannt. Der Blick in
den erst 1987 in Kraft gesetzten Rassestandard der FCI ist in dieser
Beziehung wenig hilfreich: Der „kurze geschichtliche Abriss“ schreibt dem
Podenco Canario zwar ein Alter von ca. 7000 Jahren zu, bezeichnet ihn als
einen Hund altägyptischer Herkunft und macht Phönizier, Karthager, Griechen
und die Ägypter selber für seine Einfuhr verantwortlich. An Belegen hierfür
fehlt es jedoch vollkommen.
Gesichert erscheint mittlerweile, dass die Kanarischen Inseln zur Zeit der
Antike in mehreren Einwanderungswellen vom nordwestlichen Afrika aus
besiedelt wurden. Die Guanchen, wie sich diese ersten Siedler nannten, waren
Verwandte der heutigen Berber; viele kanarische Ortsnamen weisen noch heute
Parallelen zu Ortsbezeichnungen in Marokko und Algerien auf. Der Name „Islas
Canarias“ bedeutet so viel wie „Hundeinseln“; eine Bezeichnung, die der
römische Autor Plinius der Ältere in einem Bericht über eine Expedition des
libysch-maurischen Königs Juba II. um 25 v. Chr. geprägt hat. Es ist jedoch
nicht überliefert, welche Art von Hunden die Guanchen hielten. Da das
Wildkaninchen erst nach der Inbesitznahme der Inseln durch Spanien im 15.
Jahrhundert auf die Kanaren gelangte, ist es jedoch unwahrscheinlich, dass
der Podenco Canario in der heutigen Form bereits vor der spanischen
Kolonisation existierte. Möglicherweise ist die Rasse das Resultat einer
Vermischung eingeführter Podencos vom spanischen Festland bzw. von den
Balearen mit den bereits auf den Inseln vorhandenen Hunden der Guanchen –
und es gibt wenig Grund anzunehmen, dass sich unter letzteren nicht auch
Hunde des mittelgroßen, stehohrigen Pariatyps mit gelblicher bis roter
Fellfarbe befunden haben, die man in vielen Regionen rund um das Mittelmeer
sowie in weiten Teilen Afrikas antrifft, und die auch bei der Entstehung der
anderen mediterranen Rassen Pate gestanden haben dürften.
Anders als etwa beim Pharaoh Hound spielen aber Spekulationen über die
Geschichte der Rasse bei den meisten Liebhabern des Podenco Canario keine
Rolle – die kanarischen Jäger sind ohnehin ausschließlich an den jagdlichen
Qualitäten ihrer Hunde interessiert, und ihre geringe Verbreitung außerhalb
Spaniens hat die Rasse bisher davor bewahrt, für die Belange des
Ausstellungswesens verändert zu werden.
Erst seit den neunziger Jahren ist überhaupt eine größere Anzahl von
Exemplaren der Rasse ins Ausland gelangt. Überwiegend geschieht dies bis
heute durch Tierschutzorganisationen. Auf den Kanarischen Inseln sind
verschiedene Vereine tätig, die ausgesetzte Hunde vermitteln, darunter oft
auch Vertreter der Rasse Podenco Canario. So sinnvoll es in jedem Einzelfall
ist, einen Hund vor dem Tod auf der Straße oder in der Tötungsstation zu
retten, so wenig ändert dies allerdings an der Problematik schlechter
Tierhaltungen. Wer daran interessiert ist, die Lebensbedingungen der Hunde
nachhaltig zu verbessern, sollte also nachfragen, in wie weit der Verein
über die reine Tätigkeit der Vermittlung hinaus auch Aufklärungsarbeit
leistet, um die Einstellung der Menschen (vor allem der jungen Generation)
zu Tieren positiv zu beeinflussen. Auch sollte man sich davor hüten, alle
Jäger der Kanaren pauschal als schlechte Tierhalter abzustempeln – die
Mehrheit der Jäger hält ihre Hunde artgerecht, wenn auch das Umfeld nicht
immer mitteleuropäischen Vorstellungen entspricht.
Bis heute findet man in Deutschland fast ausschließlich Rassevertreter, die
aus dem Tierschutz kommen. Immer mehr Besitzer dieser Hunde entdecken den
Windhundsport als eine Möglichkeit, den rassetypischen Bewegungsdrang ihrer
Hunde zu befriedigen. Einige Hunde sind mittlerweile im DWZRV registriert
und nehmen offiziell an Rennen, Coursings und Zuchtschauen teil.
Wird das große Laufbedürfnis des Podenco Canario täglich genügend
berücksichtigt, verhält er sich im Haus ruhig. Er ist dann ausgeglichen und
kann stundenlang eng zusammengerollt zufrieden in seinem Körbchen schlafen.
Jeder, der sich für einen solchen Hund entscheidet, muss sich jedoch im
Klaren sein, dass sein jagdlicher Ursprung bedeutet, dass er auch bei bestem
Gehorsam in unserer beengten Umwelt nicht immer und überall ohne Leine
laufen kann. Gerade bei Hunden mit unbekannter Vorgeschichte muss man
vorsichtig erkunden, wie ausgeprägt ihre jagdliche Motivation ist. Auf jeden
Fall muss man gezielt nach Gebieten suchen, in denen auch bei der
Instinktlage und dem Bewegungsradius des Podenco Canario Freilauf möglich
ist und das Risiko dennoch gering bleibt.